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Noldin—Gedenkfeier in Salurn: „Josef Noldin als Wegweiser für Zivilcourage und Widerstandsgeist“

Noldin2017
Der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder, hielt heute die Gedenkrede anlässlich der Gedenkfeier für den Salurner Rechtsanwalt, Josef Noldin, der als Mitbegründer der Katakombenschulen vom faschistischen Regime verfolgt worden war.
Eingeladen als Gedenkredner wurde Pöder von der veranstaltenden Salurner Schützenkompanie unter Hauptmann Arno Mall.
 
An der Gedenkfeier nahmen neben der Bevölkerung auch zahlreiche Schützen aus Südtirol sowie Vertreter von Vereinigungen teil.
Neben Mitgliedern der Führung des Schützenbundes wohnten auch Bürgermeister Roland Lazzeri sowie die Landtagsabgeordneten Oswald Schiefer und Sigmar Stocker der Gedenkfeier bei.
 
Pöder hielt die Gedenkrede frei.
 
Hier eine nachträgliche zusammenfassende Transkription.
 
 
Wir stehen hier vor dem Grab Josef Noldins, dem großen Anwalt für Freiheit, Heimat und Gerechtigkeit, dem Antifaschisten und 
vor allem dem Wegweiser für Zivilcourage und Widerstandsgeist und bekenne: 
Was sind wir doch bisweilen feige, wenn es um den Kampf für das wohl höchste Gut, die  Freiheit geht,
Was sind wir doch bisweilen träge,
wenn es um den Einsatz für Recht und Gerechtigkeit geht.
Was sind wir doch bisweilen zauderhaft,
wenn es darum geht, gegen Zwang, Bevormundung, falsche Vorschriften und Verbote vorzugehen.
Was sind wir doch bisweilen nachlässig, wenn es um das Einstehen für die Heimat geht.
 
Josef Noldin war kein Gehorcher, Befehlsempfänger, von denen es heute leider allzuviele gibt.
Im Sinne dessen, was Hannah Arendt später formuliert hat, hat, Niemand hat das Recht zu gehorchen, hat Josef Noldin als Anwalt jene verteidigt, die eben nicht dem Deutschverbot gehorcht haben und die die sogenannten Katakombenschulen betrieben.
Als Deutsche Schulen Verboten waren.
 
Und Josef Noldin opferte dafür viel.
Er wurde am 25.11.1888 in Salurn geboren
Bestand Franziskanergymnasium und Studium mit Auszeichnung, wurde im 1. Weltkrieg schwer verwundet.
Landete in Gefangenschaft in Sibirien.
1920 kam er frei, weigerte sich damals, eine Erklärung zu unterschreiben, wonach er sich als Italiener fühlte,
Er ließ sich dann in Salurn als Anwalt nieder.
1923 wurde die deutsche Schule verboten.
Als Anwalt unterstütze er Lehrer, die in den so genannten Katakombenschulen unterrichteten und dafür vor Gericht gestellt wurden.
Es ging um die deutsche Sprache. Auch heute kommen wieder Sprachsittenwächter auf uns zu, und wollen uns vorschreiben was wir wann wie sagen dürfen oder nicht und am besten noch, was wir denken sollen.
 
Josef Noldin wurde mehrmals verhaftet oder mit Geldstrafen belegt.
1927 wurde er für fünf Jahre auf die Insel Lipari verbannt, 
Kam aber Ende 1928 wieder heim, bekam Ausreise— und Berufsverbot.
Mussolini selbst nannte Josef Noldin in einer Rede und rechtfertigte dessen Verbannung mit dessen antifaschistischer Haltung. Eine im Nachhinein ungewollt hohe „Auszeichnung“ durch den Diktator selbst.
Auf Lipari hatte Noldin sich mit Malaria infiziert und starb am 14. Dezember 1929 … mit nur 41 Jahre. Und liegt in Salurn begraben.
 
Josef Noldin hat für seine. Kampf um Recht und Gerechtigkeit und Freiheit schwere Opfer gebracht.
Welche Opfer erwarten uns heute, sind wir heute bereit zu tragen, wenn wir uns für Freiheit, Heimat, Gerechtigkeit, gegen ungerechte Zwänge wehren?
 
Nicht Verbannung Gefängnis und gar Tod. 
Wir riskieren höchstens mal verbal angefeindet zu werden, kritisiert, einen  Shitstorm im Internet zu erdulden, einen kritischen Leserbrief.
Aber viel größer sind die heutigen Opfer nicht.
 
Deshalb, beherzigen wir den Freiheits— und Gerechtigkeitssinn, den Josef Noldin uns mitgegeben hat.
Verinnerlichen wir uns das, was schon Jean Jaques Russeau einmal treffend formuliert hat: Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.
Und das hat Josef Nolding verteidigt, das nicht tun müssen was man nicht will.
 
Widerstandsrecht, das gibt es. 
Wie jemand einmal geschrieben hat: Wenn niemand gegen den Strom schwimmt, gehen alle den Bach runter.
 
Und dass Südtirol nicht den Bach runter ging, sondern kulturell sich immer noch behauptet, liegt auch an Josef Noldin. Kanonikus Gamper, oder Angela Nikoletti und manche vor und nach ihnen, die gegen den Strom geschwommen sind.
 
Josef Noldin lässt uns auch letztlich diese Erkenntnis als Vermächtnis: 
Widerstand ist zwar nicht selten mit Opfern verbunden.
Widerstand ist aber nicht zwecklos, 
Widerstand wirkt.
Danke Josef Noldin, dass Du uns das gelehrt hast.
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